Schlussstriche und lokale Erinnerungskulturen

Längerer Beitrag zu „Schlussstriche und lokale Erinnerungskulturen. Die ‚zweite Geschichte‘ der südwestdeutschen Außenlager des KZ Natzweiler seit 1945“, die kürzlich bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg erschienene Dissertation von Marco Brenneisen.

Wir besuchten die Diskussionsveranstaltung im MARCHVIUM, die die Veröffentlichung Anfang September begleitete – hier saßen Landtagspräsidentin Muhterem Aras, Marco Brenneisen sowie Prof. Dr. Philipp Gassert und Prof. Dr. Angela Borgstedt von der Universität Mannheim auf dem Podium. Einige Tage später haben wir Marco Brenneisen noch einige Fragen stellen dürfen. Aus der Buchankündigung: Zwischen 1943 und 1945 bestanden auf dem Gebiet der heutigen Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz mindestens vierzig Konzentrationslager, die dem KZ Natzweiler (Elsass) als Außenlager zugeordnet waren. Nach 1945 erinnerte vielerorts kaum mehr etwas an die einstigen Schreckensorte. Das Gedenken an die KZ-Außenlager blieb lange Zeit weitgehend auf Friedhofsgestaltungen und die individuelle Trauer von Angehörigen der Opfer beschränkt. Erst mit der sogenannten Gedenkstättenbewegung der 1980er-Jahre setzten Prozesse der Erforschung und öffentlichen Erinnerung ein. Dr. Marco Brenneisen legt eine umfassende Darstellung der „zweiten Geschichte“ der südwestdeutschen Natzweiler-Außenlager vor, in der er den gesellschaftlichen, politischen, administrativen und historiographischen Umgang mit diesen Orten des Terrors seit der Besatzungszeit analysiert. Er zeichnet Phasen und Zäsuren der Aufarbeitung und des  Gedenkens nach und nimmt geschichts- und erinnerungspolitische Auseinandersetzungen auf lokaler und regionaler Ebene in den Blick. Aus der Zusammenschau dieser spezifisch lokalen Erinnerungskulturen entsteht ein differenziertes Bild, das zum besseren Verständnis der heutigen Gedenkstättenlandschaft Baden-Württembergs beiträgt. Der Autor: Dr. Marco Brenneisen, geb. 1982, ist Historiker mit den Forschungsschwerpunkten NS-Geschichte, KZ-System, NS-Aufarbeitung und Erinnerungskulturen. Als Mitarbeiter des Mannheimer MARCHIVUM betreut er die KZ-Gedenkstätte Sandhofen. Ehrenamtlich ist er in überregionalen Gedenkstättengremien aktiv, u. a. als Vorstandsmitglied des Verbunds der Gedenkstätten im ehemaligen KZ-Komplex Natzweiler e. V. (VGKN).

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